Schmerz

Eigentlich wollte ich über Widrigkeiten schreiben. Stattdessen beschäftigt mich das Scheitern. Der Schmerz, der erscheint, wenn etwas nicht gelingt, nicht beim ersten Mal, nicht beim zehnten und auch nicht beim tausendsten Versuch. Er trifft mich mit voller Wucht.
Der Schmerz, nicht gesehen zu werden im Versuchen, es besser zu machen. Der Schmerz, wenn das Scheitern den Blick der Anderen für mein ganzes Wesen verstellt. Und dann der Schmerz, den ich selbst über meine Unfähigkeit spüre.
Dieser Schmerz ist der Schmerz des bewussten Menschseins. Nur die Tatsache, dass ich weiß, wer ich sein will, lässt mich erkennen, wenn ich daran scheitere.
Das Scheitern, was ist es? Im Grunde ist es nur ein Lernprozess mehr, den ich aber bewerte. So wie die Prüfungen in der Schule: eine drei, oder eine sechs, oder eine eins. Das eine Fach, wo man sich anstrengt, und es wird doch immer wieder eine sechs und nur einmal eine fünf. Aber mehr ist jetzt nicht zu holen. Muss die Bewertung sein?
Ich scheitere an einem zu hohen Anspruch, an meinen eigenen Maßstäben, und an denen der Menschen um mich. Die Bewertung durch Andere tut sehr weh, und nur die Bewertung im Innern könnte sie abmildern. Es ist an der Zeit, milder mit mir selbst umzugehen. Zu verstehen, dass Prozesse ihre Zeit brauchen. Zu erkennen, dass jedes Wahrnehmen schon ein kleiner Sieg ist, auch wenn noch nichts geändert werden kann. Wie in der Meditation. Ich versuche, nicht zu denken, und die Gedanken kommen. Jedesmal, wenn ich merke, dass ich mich auf den Gedanken eingelassen und den meditativen Zustand verlassen habe, findet ein wichtiger Moment im Prozess satt. Es geht nicht um die sofortige Perfektion, sondern um den Willen, den Weg zu gehen, immer wieder, so lange wie es nun mal dauert. Und die Abweichungen vom Kurs zu registrieren, um irgendwann Mal nicht mehr abzuweichen.
Jetzt ist er aber da. Der Moment, in dem ich mir selbst nicht genüge. Der Schmerz ist präsent, und lasse ihn sein. Es soll mich nicht jeder Schmerz umwerfen. Ich will auch mit Schmerz umgehen lernen. Ich werde ihn heute, und vielleicht noch morgen ein wenig pflegen, ihn annehmen, mich annehmen in meiner Unvollkommenheit. Lernen, dass ich den Schmerz überstehe. Dass ich größer bin als er.

Und danach? Danach werde ich einen neuen Versuch starten.

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