Über den Schmerz

Heute möchte ich etwas ganz anderes zeigen. Ich schreibe gerade ein Roman. Die Protagonistin gelangt irgendwann ans Meer der Tränen. Ich habe den Text soaben geschrieben, er ist rohh und nicht korrigiert. Dennoch möchte ich ihn zeigen, weil er mich zeigt.

Ich wanderte nach Süden, über verschlungene Pfaden zwischen Klippen, bis ich an einer Bucht kam.
Mein größter Wunsch ist, das du dies nie erlebst. Der Ort lag in feinen Nebel. Ich setzte mich an diesem Nachmittag vor dem Meer, ein grauer, ruhiger Spiegel vor mir. Kein Lebewesen war zu sehen, und ich fragte mich nicht, warum. Ich hörte nichts ausser die Wellen, ihr stetiges brechen. Ich beobachtete sie, lauschte. Ich atmete in ihrem Rhythmus, und mein Atem wurde ein Zerbrechen. Mein Herz zersplitterte mit jeder Welle ein Stück, bis meine ganze Brust nur ein einziger Schmerz war. Wund, offen. Der Schmerz breitete sich weiter aus, bis ich nicht übrig blieb.
Der graue Himmel zerschmolz mit der grauen See und ich war Teil davon.
Ich sah den Igel, zucken, sterben am Straßenrand, von einen unachtsamen Reiter zu Tode zertreten. Ich sah ihn, und er war ich, und ich war Schmerz und das Leben verließ mich. Ich sah das kleine Mädchen schreien, als ihre tote Mutter weggebrscht wurde, das Kleid voller Blut, und dieser Schmerz wurde von keinem Tod gnädig unterbrochen. Ich war auch sie. Ich war sie alle. Der Junge mit dem zerschundenen Rücken und den fragenden Augen, die seinen Vater anflehten, zu lieben. Ic*spürte jede verlorene Liebe, jeden Schlag, jeden Tod, jede Vergewaltigung, jeden Hunger. Ich weinte, ich schüttelte mich und wusste, nie mehr würde ich aufhören zu weinen. Ich gewöhnt mich an den Schmerz, ich weinte alle Tränen der Welten. Eine Hoffnung keimt auf:irgendwann sind alle Tränen vergossen, vielleicht käme danach die Freiheit.
Und ja, die Tränen der Welten waren irgendwann alle vergossen. Der Friede blieb aus. Die Wellen spielten weiter vor mir und sangen ein Lied, das besagt, niemand liebt dich. Ich erkannte, und ich weinte um den Prinzen, die Räuber, den Wirt und alle anderen. Sie haben mich gebraucht, sie haben mich benutzt, aber sie liebten mich nicht.
Dann war sie da:Die Welt ohne Liebe, um mich und in mir, sie zerbrach mich nicht mehr von Außen, sie zerbrach mich von Innen. Meine Seele zerbrach in tausend gläsernen Stücke, die auf die Felsen fielen und vom Meer fortgespült wurden.
Ich weinte nicht mehr, weil ich nicht mehr war. Ohne Liebe bin ich nicht.

Danke für das Lesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s